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Lodden thinks

Wie viele Tüpfel hat eigentlich eine Giraffe?
25.07.2013 um 22:15 Uhr
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Auf einem Kurztrip in unsere schöne Bundeshauptstadt am vergangenen Wochenende, schlug ich meinen beiden Begleitern während der Autobahnfahrt vor, uns die Zeit mit einem Spiel zu vertreiben. Die beiden waren zunächst äußerst skeptisch, befürchteten vielleicht, ich beabsichtigte sie mit dem verdrießlichen Ich sehe was, was du nicht siehst oder einem enervierenden Assotiationskettensägenmassaker malträtieren zu wollen. Zum Glück konnte ich sie davon überzeugen, sich einige wenige, unkomplizierter Regeln erläutern zu lassen. Kurz darauf hatten wir das Autoradio ausgeschaltet und waren nur noch darauf erpicht, möglichst skurrile und witzige Spielrunden zu ersinnen.
Das Spiel nennt sich Lodden thinks. Damit kein falscher Eindruck entsteht: Die Idee ist nicht auf meinem Mist gewachsen – leider. Urheber der Spielidee sind zwei professionelle Pokerspieler aus den Staaten, Antonio Esfandiari (wp) und Phil Laak. Die beiden sind bekannte und bekennende, passionierte Glücksspieler und in der Pokerszene zwei immens prominente Gesichter, die bereits etliche Male in Sendungen wie Poker After Dark oder High Stakes Poker im US-Amerikanischen TV auftraten. Zeitweise hatten sie sogar ihre eigene Sendung, in der sie mit sogenannte Prop-bets (wp) (propositon bets) sich gegenseitig Herausforderungen stellten. Das Format war allerdings nur wenig amüsant anzusehen.

Charakteristisch für Prob-bets im eigentliche Sinne ist, dass man am Rande eines Events, oftmals sind das Sportgeschehnisse wie ein Fußballspiel o.ä. (oder eben auch Pokerturniere), auf den Ausgang eines Nebenereignisses eine Wette platziert, welches nichts oder nur indirekt etwas mit dem Resultat des eigentliche Events zu tun hat. Gerade in Amerika erfreut sich diese Form des Zeitvertreibs großer Beliebtheit und so wetten Freunde untereinander gerne ein paar Dollar auf statistische Werte eines Football-Games oder die Anzahl der Strikes eines Baseballpitchers. (Angesichts der Langwierigkeit eines solchen Football- bzw. Baseballspiels kann man es den Zuschauern nicht verdenken, dass sie sich etwas für nebenbei suchen.) Die beliebteste Prob-Bet beim Poker ist das Vorhersagen von Farben oder Werten der auf dem Board aufgedeckten Spielkarten. Oft spricht man auch von so genannten Side-Bets.

Lodden thinks ist nun eine besondere Variante dieser Spielerei. Seine ursprüngliche Entstehung ist überdies in Bild und Ton dokumentiert. Das Video verrät auch, wie die Name des Spiels zustande kommt: Laak und Esfandiari brauchten für ihre Idee einen dritten Mann – und das war der norwegische Pokerprofi Johnny Lodden (wp), der mit am Tisch saß.



Und so funktioniert das Ganze:
  • Jemand schlägt einen Gegenstand oder eine Begebenheit in Form einer Frage vor, auf die sich eine numerische Antwort geben lässt. Je ausgefallener die Angelegenheit ist, um so besser – da kommt es ganz auf die Kreativität des Fragestellers an. Die Antwort kann ein Geldbetrag (Was kostet dies und das?) oder eine Maßangabe (Wie groß ist jenes?) oder die Anzahl von Dingen (Wie viele von diesen?) sein.
  • Es sollte ein angemessener Einsatz vereinbart werden.
  • Dann wird ein Dritter als Johnny Lodden-Thinker erwählt, der die gestellte Frage abwägt und sich seine Antwort merkt bzw. auf einen Zettel oder im Smartphone notiert. Wichtig ist, dass derjenige die Frage für sich und nach bestem Wissen und Gewissen ohne im Netz nachzuschlagen abschätzt, anshließend bekannt gibt, dass er eine Antwort gefunden hat und diese im Verlauf nicht mehr anpasst – egal für wie sachlich falsch sie sich vielleicht im Nachhinein erweist.
  • Die Spieler nennen nun abwechselnd einen Zahlenwert, der dem vom Lodden-Thinker gemerkten Wert entsprechen soll. (Nicht dem tatsächlichen, faktisch richtigen Wert!) Nach dem der erste Spieler eine Zahl genannt hat, kann der andere sich entscheiden, ob er die Zahl überbietet oder ob er glaubt, die Antwort fällt geringer aus. Im zweiten Fall würde er auf alle Beträge, die unter der Grenze des zuletzt aufgerufenen Werts setzen, der Mitspieler auf alle die darüber liegen bzw. auf genau den exakten Wert. Der Lodden-Thinker ist hier nicht als Mitspieler zu betrachten!
  • Der Gefragte gibt seine Antwort bekannt und die Einsätze werden ausgezahlt.
Diese Vorgehensweise hat ein paar reizvolle Eigenheiten. Zum einen braucht es keinerlei Hilfsmittel oder Spielgerät; lediglich die Anwesenheit eines Dritten, den man nur beiläufig einspannt, ist notwendig. Somit kann man fast überall und jederzeit spontan eine Wette anbieten. Der Lodden-Thinker braucht nicht wirklich etwas von der Sache zu verstehen, denn die Aufgabe lautet ja: Was denkt er, dass ...? Zum anderen birgt eine solche Spielrunde eine Menge Spaß, wenn die Fragen entsprechend fantasievoll ausfallen. Das Ersinnen spannender Fragen ist letztlich ein Teil des Spiels.

Auf unserer Tour nach Berlin ging es zahm los. Die Einstiegsfrage lautete: Wie viele Tüpfel hat eigentlich eine Giraffe? Ich verlor die erste Runde und damit 5 Euronen, weil ich bei 52 ausstieg, unser Mitfahrer auf der Rückbank hatte aus unerfindlichen Gründen die Zahl 800 eingeloggt hatte. Meine Güte! Da wir nur zu dritt waren, tauschten wir den Lodden-Thinker reihum durch und stellten uns Fragen wie diese:
  • Wie viele Frauen waren insgesamt im Weltall?
  • Wie viele rote Autos kommen uns auf der gesamten Fahrt entgegen?
  • Was ist die höchste Zahl, die ein Mensch durch lautes Zählen von natürlichen Zahlen beginnend mit Eins jemals aufgesagt hat?
Lustiger sind freilich persönlichere Fragen:
  • Auf einer Skala von Eins bis Einhundert: Wie sehr ist X ein Frauentyp?
  • In welchem Alter verlor X seine Unschuld?
  • Wie viel Geld hat X bisher in seinem Leben ausgegeben?
Wir haben viel gelacht. Später saßen wir in einer Kreuzberger Kneipe und spielten Lodden thinks in einer größeren Tischrunde. Wie das ablaufen kann, hier mal an einem kurzen Beispiel erklärt:

Platz 1 stellt eine Frage: Was glaubt Platz 2? Wie viele Telefonkontakte hat die hübsche Bedienung in ihrem Handy gespeichert? Platz 2 überlegt sich seine Antwort, loggt sie ein, behält sie aber für sich. Dann werden die Gebote der Reihe nach abgegeben. Das sähe bei 5 Mitspielern in etwa so aus: (Platz 2 ist in diesem Fall der Lodden-Thinker und kann diese Runde nicht mitbieten.)

Platz 365 Kontakte und mehr
Platz 480 und mehr
Platz 581 und mehr
Platz 1110 und mehr
Platz 3125 und mehr
Platz 4128 und mehr
Platz 5130 und mehr
Platz 1134 und mehr
Platz 3137 und mehr

An dieser Stelle steigt Platz 4 aus und setzt damit automatisch auf eine Zahl kleiner als 137. Die Setzrunde ist damit abgeschlossen. Im Anschluss können sich die anderen Spieler nacheinander entscheiden, ob sie den Bereich unter 137 bzw. über und gleich 137 wählen. Jetzt wird Platz 2 aufgefordert sein eingeloggtes Ergebnis zu präsentieren: 162. Mehr als 136 gewinnt! Im Voraus ausgehandelte Einsätze werden entsprechend verteilt, z.B. jeder Sieger erhält zu gleichen Teilen einen Betrag aus einem zuvor gebildeten Pot.

Wie viele Telefonkontakte die zauberhafte Bedienung tatsächlich in ihrer Kontaktliste stehen hat, spielt, wie gesagt, gar keine Rolle und die gute Frau muss auch nicht weiter behelligt werden. Es zum Spaß trotzdem herauszufinden und/oder ihr eine weitere Telefonnummer zukommen zu lassen, bleibt den Spielern natürlich unbenommen. ^^
BTC
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