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Der Ruf des Pixel-Universums

Ein Traum vom perfekten Weltraum-Videospiel
09.09.2013 um 23:08 Uhr
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Der Weltraum - unendliche Weiten. Wir schreiben das zehnte Jahr nach Freelancer. Dies sind die Hoffnungen eines unbedeutenden Sci-Fi-Verrückten, der sich bereits viele Jahre danach sehnt, neue Polygon-Welten zu erforschen, neues Pixel-Leben und neue NPC-Zivilisationen. Viele Gaming-Lichtjahre von der letzten soliden Galaxie entfernt, dringen die Wünsche in Sphären vor, die nie ein Nerd zuvor gesehen hat.
Chris Roberts (wp) ist es wohl weitestgehend zu verdanken, dass wir Anhänger des epischen Weltraumspiels wieder voller Zuversicht sind. Der Schöpfer der Wing Commander-Reihe schafft es mit seinem Enthusiasmus für sein Projekt Star Citizen zum einen unglaubliche Geldmengen allein über Crowdfunding zu akquirieren (derweil sind es insgesamt fast 19 Millionen Dollar!), zum anderen einer totgeglaubten Spielegattung wieder neues Leben einzuhauchen. In Sachen Weltraumepos schaut die PC-Spielegeschichte insbesondere in den 90er Jahren auf eine Ära großer und bekannter Genrevertreter zurück. Wing Commander oder die Star Wars: X-Wing-Serie kannte zur damaligen Zeit jeder ambitionierte Gamer und die Auseinandersetzung mit einer Entscheidung hin zu einer der beiden Reihen ähnelte einem Glaubenskrieg, wie man ihn auch aus anderen Gefilden des Computerzeitalters kennt. Chris Roberts selbst hat noch heute seinen Anteil an einer vergleichbaren Fehde, in dem er in verschiedenen Statements das Spielen auf Konsolen für erschöpft erklärt und den PC für die einzig wahre Plattform für ehrgeiziges Spielen hält. Sei's drum.
Heute ist die Gaming-Landschaft, sieht man einmal von EVE Online ab, das freilich eine ziemlich exotische Sonderstellung in der Welt der Videospiele insgesamt einnimmt, leider nahezu frei von Vertretern des klassischen Weltraumspiels. Ich persönlich empfand dies immer als sehr schade und schon lange hielt ich Ausschau nach einem geistigen Nachfolger von Freelancer & Co.

Hier aber ersteinmal eine Liste prägender Vertreter, wie sie Michael Graf vom Spielemagazin Gamestar zusammenstellte und nachfolgende 15 Titel in eine Ruhmeshalle der Weltraum-Simulationen berief: Mit Wing Commander 1 bot sich auch mir der faszinierende Einstieg ins Cockpit des unerschrockenen Space-Piloten. Bis Wing Commander 3 habe ich die Serie intensiv gespielt, den dritten Teil allerdings erst einige Zeit nach Release im Jahr 1994, waren doch die Hardeware-Anforderungen damals so exorbitant, dass es mir erst später vergönnt war, einen PC mit ausreichend Schmackes mein Eigen zu nennen. wingCommanderCockpit
Wing Commander by Chris Roberts & Warren Spector
Mit Privateer-Gemini Gold existiert ein freies Remake von Wing Commander: Privateer, dem vielleicht besten Teil der Reihe, dass mir vor kurzem das Glück bescherte, mich in das Gefühl früher Teenagerjahre zurückzuversetzen. Die Cockpit-Ansicht war mir sofort wieder wohlig vertraut und mein Hunger nach Kilrathi-Kopfgeld ward augenblicklich wieder geweckt – herrlich.

Ich kenne zwar tatsächlich alle Vetrteter der obigen Aufstellung, gespielt habe ich indes nur einen Teil davon. Freelancer war leider das letzte seiner Art, das voll und ganz in der Wing Commander-Tradition nicht nur in der Nische eine Existenzberechtigung besaß. Stattdessen gab es das ein oder andere weniger berühmte Spiel, das mich außergewöhnlich stark in den Bann zog. Und da ist zuersteinmal Homeworld und vor allem dessen Sequel zu nennen.
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Homeworld ©1998-2003 Sierra Entertainmant Inc.
Es handelt es sich bei Homeworld nicht um einen klassischen Weltraumshooter in der Ego-Perspektive, sondern vielmehr um ein 3D-Echtzeit-Taktikspiel. Seine Faszination für mich und eine durchaus beachtliche Fanbase macht vor allem die überaus stimmungsvolle Inszenierung (Sound und Optik) der Spielwelt aus. Dazu ist Homeworld konsequent dreidimensional und damit sozusagen konsequent Weltraum – soll heißen, die Schlachten im All finden in einem aus allen Richtungen einsehbaren und ansteuerbaren, relativ leeren Raum statt, was dem Spiel in Sachen taktischer Tiefe leider etwas nimmt.

An dieser Stelle wird meines Dafürhaltens zweifellos ein prinzipielles Problem des Space-Szenarios offensichtlich: Der Spagat zwischen Spiel und Simulation. Natürlich ist keines der bisher genannten Titel auch nur im Entferntesten eine waschechte Simulation, derweil gibt es augenfällige Unterschiede im Grad des Realismus. Der tatsächliche Leere des Alls und dessen schiere Größe ist in einem massenmarktauglichen Spiel kaum Rechnung zu tragen und je größer die Anleihen an reale Gegebenheiten ausfallen, um so unzugänglicher und nischiger fällt letztendlich das Spiel aus. Dem umgekehrten Ansatz des arkadigen Weltraumgeballers hingegen fehlt es oft an Atmosphäre und Space-Feeling, dass in extremen Fällen das Szenario an sich erübricht – der letzte Titel in der Liste (Dark Star One) kann davon meiner Meinung nach ein Lied singen.

Notiz am Rande: Es existiert momentan eine Reihe von kleineren (Indie-)Titeln, die das mit der Simulation gehörig ernst nehmen: Extrem viele Aspekte einer allumfassenden Simulation hat auch die X-Reihe des deutschen Entwicklers Egosoft. Sie ist aber auch das Paradebeispiel für das Verlorengehen von Zugänglichkeit und Bedienbarkeit eines komplex arrangierten Weltalls. Bei den X-Spielen bekommt man vor allem umständliche Menüs vor den Latz geknallt, die das tatsächlich sehr prachtvoll animierte Universums zumeist verdecken. ReunionStargate
X³ Reunion ©2005 Egosoft (Developer), Deep Silver (Publisher)
Die Serie fristet dementsprechend auch ein Dasein in der Nische, in der ich sie allerdings sehr zeitaufwendig beackert und dabei genossen habe. Ein scheinbar unendlich großes, frei erkundbares Universum und ein umfängliches Wirtschaftssystem bieten verlockende Möglichkeiten der Entfaltung nach eigenem Gutdünken. Das fand ich an den X-Spielen immer toll.
Um so aufgeregeter bin ich über die Ankündigung der X-Macher eines Reboots der Serie. Auf Steam lässt sich X Rebirth (yt) bereits für Herbst vorbestellen. Offensichtlich beflügelt von dem Interesse an Star Citizen hat sich Egosoft zu der Bekanntgabe eines Releasetermins für ihre, nach eigener Aussage bereits viele Jahre in der Entwicklung befindliche Fortsetzung von X³ Albion Prelude, hinreißen lassen. Ich kann nur hoffen, dass die wirklich ambitioniert gesteckten Ziele, was Verbesserungen gegenüber seinen Vorgängern angeht, gerade in Hinsicht auf Zugänglichkeit, und die lange (angekündigte) Featureliste dem Spiel nicht das Genick brechen. Egosoft ist keine besonders große Entwicklerbude. Was man in den hübschen Trailern aber bereits alles sieht, nimmt indes durchaus Triple-A-Ausmaße an.

Meine großen Hoffnungen behalte ich hingegen – bin ich doch letztlich nur ein unbedeutender Nerd, der die Tiefen des Alls erkunden will.
Joni
Homeworld hat sich mit der damals genialen Grafik, Gameplay und vor allem Atmosphäre meiner Meinung nach für immer einen Platz auf der ewigen Bestenliste verdient, neben Klassikern anderer Genres wie Gothic oder Unreal.
Habe beim Lesen deines Textes und betrachten der verlinkten Bilder das dringende Bedürfnis verspürt, dieses Spiel nach all den Jahren mal wieder zu installieren. Gott, die Schiffe sahen/sehen aber auch zum Teil so klasse aus...
Weiß noch, wie ich damals mit Freunden vorm Rechner saß und wir so ziemlich alles an gegnerischen Schiffen gekappert haben, was nur möglich war, um dann mit einer riesigen Armee durch die letzte Mission zu preschen.
Danke für das Wachrufen dieser Erinnerungen :)
27.12.2013 um 00:10 Uhr
BTC
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