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Columbias anderes Gesicht

Bioshock Infinite ist doof, weil ...
31.07.2013 um 23:41 Uhr
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Es scheint ja bereits alles gesagt zu Bioshock Infinite. Die einschlägigen Blogs und Spielemagazine sind voll mit beinah ausnahmslos positiven Besprechungen. Dabei gäbe es einiges zu bemängeln. SPOILER!
SPOILER! SPOILER! SPOILER!

Angefangen beim verwirrenden Ende: Die Mannigfaltigkeit disparater Interpretationen, die im Netz kursieren, belegt sehr schön, wie schwer es der Gamingcommunity doch fällt, das Finale von Bioshock Infinite richtig zu deuten. Ein Geschichte, die uns arme Spieler derart ratlos zurücklässt: ganz schön mies vom Autor Ken Levine (wp).
Lighthouses
Bioshock Infinite ©2013 Take-Two Interactive Software, Inc. developed by Irrational Games
Doch halt; fügt sich bei näherem Hinschauen nicht alles so unfassbar stimmig zusammen? Gibt man sich nur ein klein wenig Mühe, erkennt man zwischen den Leuchttürmen stehend, wie hervorragend die Story am Ende aufgeht, so gut, wie es anderen Geschichten selten gelingt, schon gar nicht bei Videospielen. Die Lutece Zwillinge, der abgetrennte kleine Finger, Booker Dewitt und Comstock – nichts bleibt unbeantwortet. Und trotzdem bleibt ein gewisser multiversaler Raum für Gedankenspielchen und Interpretationen nach eigenem Gutdünken. Großartig!

Und was soll das mit den zahllosen Anspielungen auf die amerikanische Geschichte? Die kennt doch eh keine Sau, außer vielleicht die paar aufgeschlossenen Amerikaner, von denen es, wie wir ja hinlänglich wissen, allerhöchstens eine Hand voll gibt. Ansonsten sind die doch alle total ungebildet und voreingenommen; hier im alten Europa ist das ja ganz anders.
AmericanHistoryPainting
Bioshock Infinite ©2013 Take-Two Interactive Software, Inc. developed by Irrational Games
Indes gibt es kaum eine bekömmlichere Art und Weise, Neues über eine fremde Kultur zu erfahren und damit sein eigenes Allgemeinwissen zu pflegen. Tatsächlich ist es nicht uninteressant, bei Wikipedia zum Massaker bei Wounded Knee (wp) oder zum Boxeraufstand (wp) nachzuschlagen – Namen und Orte, die man irgendwie bereits gehört hatte, aber nichts damit anzufangen wusste.

Bioshock Infinite ist viel zu sehr Bioshock. Können diese Gamedesigner sich nicht mal was neues einfallen lassen? Was früher die Plasmide waren, nennt sich nun Vigors – am Gameplay ändert sich dabei nichts. Die hass-geliebten Big Daddys finden nun ihre Entsprechung in Songbird und den Handymans. Und überhaupt lässt sich jeder Gegnertyp des alten Bioshock im neuen wiederfinden.
DyingSongbird
Bioshock Infinite ©2013 Take-Two Interactive Software, Inc. developed by Irrational Games
Aber was habe ich das erste Bioshock verehrt: die Stimmung, die Story und auch die charismatischen Gegner! Bioshock Infinite kann meinetwegen so sehr Bioshock Eins sein, wie es will, denn alles passte und für mich hat es sich bisher nicht erschöpft. Dabei stehen die Neuerungen von Infinite den früheren Features in nichts nach: allen voran die genialen Skylines.

Ok, ich sollte damit aufhören, das Spiel madig machen zu wollen. Das wird mir eh nicht gelingen. Dieser zugegeben etwas desperate Versuch, dem Spiel etwas anzuhängen, ist lediglich davon motiviert, dem Schock Herr zu werden, dem mich die Spielerfahrung von Bioshock Infinite aussetzte: Mein Gott, wie viele belanglose Games musste ich über mich ergehen lassen, um endlich eins mit einer wirklich guten Geschichte spielen zu dürfen!
Ganz klar: Bioshock Infinite ist eines der außergewöhnlichsten Videospiele, in Hinblick auf die Story vielleicht das beste überhaupt.
BTC
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